Melde dich, wenn du Hilfe brauchst!

Viele Eltern werden diesen liebevoll gemeinten Satz schon oft selbst ausgesprochen haben und hoffentlich öfters angeboten bekommen.

Hilfe annehmen ist für viele Menschen eine große Herausforderung.

Wird man Eltern, so kommen beide Partner meist aus einer Berufstätigkeit. Das Leben vorher war klar geregelt, Absprachen waren getroffen und jeder Partner wusste, was seine Pflichten und Aufgaben sind.

Mit Baby ist alles anders. Mamas merken erst am Nachmittag, dass sie noch den Schlafanzug tragen, nicht geduscht sind und nur wenig gegessen haben. Baby und Haushalt zu kombinieren stellt sie vor große Herausforderungen. Oft verlangen die Babys gerade am Anfang engen Hautkontakt, wollen viel getragen werden und haben in kurzen Abständen Hunger.

Zeit um Dinge für den Haushalt oder für sich selbst zu tun bleibt keine.

Das Chaos breitet sich schneller aus als man denkt und die große Umstellung der Hormone nach der Geburt sorgen für wechselnde Gefühlsstimmungen.

Aber was ist jetzt wichtig?

Es ist nicht wichtig, wieder alles so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen, viel wichtiger ist in dieser Anfangszeit, sein Baby kennenzulernen, Zeit füreinander zu haben, zu genießen, sich an dem Wunder zu erfreuen und liebevoll auch mit sich selbst umzugehen.

In vielen anderen Kulturen werden Mütter noch einige Wochen nach der Geburt von einer Gemeinschaft umsorgt, gepflegt, bekocht bzw. anders ausgedrückt: „Sie bekommen Hilfe“.

Hilfe anzunehmen ist eine Stärke und keine Schwäche. Besprechen Sie sich mit Ihrem Partner und überlegen Sie gemeinsam, wie diese Hilfe für die Familie aussehen könnte.

Vielleicht kann eine Oma oder ein Opa regelmäßig vorbeikommen und kochen, waschen, bügeln oder sich um das Baby kümmern. Sie als Eltern entscheiden und sollten Großeltern zu weit weg wohnen, gibt es nette Nachbarn, Freundinnen und öffentliche Stellen, die Hilfe anbieten können.

Ich kann mich gut an die Zeit erinnern als meine Eltern und Schwiegereltern einmal in der Woche helfend vorbeikamen. Meine Mutter begrüßte mich zwar oft mit dem Satz „Wie sieht es denn hier aus!“, aber ich konnte damit liebevoll umgehen und antwortete immer: „Mutti, diese Ordnung ist nicht meine Ordnung. Sie ist die Ordnung, wenn 5 Menschen zusammenwohnen. Wenn dich etwas stört, du weißt wo der Staubsauger steht, tobe dich einfach aus, ich freue mich darüber.“

Nehmen Sie Druck raus, erwarten Sie nicht von sich, dass auch mit Kindern alles perfekt sein muss. Überlegen Sie am Abend wie viel Zeit Sie mit Ihren Kindern verbracht haben und wieviel Zeit mit Haushalt. Ich hoffe, die Zeit mit Ihren Kindern ist eindeutig mehr gewesen.

Immer wieder gibt es Situationen im Leben, da wächst uns der Stress über den Kopf. Alles wird zu viel und wir brauchen sämtliche Energie, um unser Überleben und das der Familie zu sichern. Dies können Situationen sein, wenn ein Partner oder ein Kind längere Zeit erkrankt, oder andere belastende Ereignisse, die ganze Familie treffen.

Gerade in diesen Situationen ist Hilfe unumgänglich. Doch ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wir in sehr belastenden Momenten nicht mehr die Kraft haben, um Hilfe zu bitten und uns zu melden.

Wie gut und entlastend fühlt sich dann ein Anruf oder eine Nachricht an, wie z.B. „Ich habe Zeit, ich komme heute oder morgen vorbei.“

„Zeit“ ist das Wichtigste, was wir anderen Menschen schenken können.

Ich wünsche Ihnen viele liebevolle Freunde, die das Gespür  haben, sich gerade in den Zeiten zu melden, wenn es Ihnen nicht möglich ist.

Deshalb ist dieser lieb gemeinte Satz „Melde dich, wenn du
Hilfe brauchst!“, nicht in jeder Lebenssituation umzusetzen.