Die vier Phasen der Eingewöhnung in der Kleinkindbetreuung aus Sicht des Kindes

 

Viele Kleinkinder gehen heute bereits zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr in eine Betreuungseinrichtung.

Ob die Wahl auf eine Tagesmutter oder eine Kinderkrippe fällt, entscheidet jeder individuell nach den familiären Bedürfnissen.

Heute arbeiten die meisten Einrichtungen nach dem Berliner Modell, das eine sanfte und individuelle Eingewöhnung des Kindes ermöglicht.

 

  1. Sicherheitsphase: „Ich brauche Sicherheit und Bindung“

Die enge Bezugsperson, meist Vater oder Mutter, gehen mit dem Kind in die Einrichtung. Eltern bleiben passiv, geben dem Kind Sicherheit und das Kind darf entscheiden, wann es sich vom Schoß der Eltern löst.

Das Kind gewöhnt sich nicht an eine Kindertagesstätte, sondern baut eine enge Bindung zu einer neuen Bezugsperson (Erzieherin oder Tagesmutter) auf. Voraussetzung ist, dass immer dieselbe Person anwesend ist.

Das Kind nimmt eine Beobachtungsrolle ein und entscheidet selbständig, wann es aktiv spielen möchte. Nach dem Spiel besteht die Möglichkeit, immer wieder zu den Eltern zurückzukehren, um Sicherheit und Bindung zu tanken.

 

  1. Annäherungsphase: „Ich lerne die neue Bezugsperson kennen“

Die Erzieherin oder Tagesmutter nehmen immer mehr Kontakt zu dem Kind auf. Hat das Kind Spielwünsche, vermitteln seine Eltern, dass die Erzieherin anzusprechen ist. Eltern sind weiter in einer passiven Rolle. Die Erzieherin geht vermehrt in die aktive Rolle.

Die Neugierde und die Freude am Spielen motivieren das Kind, sich immer mehr von seinen Eltern zu lösen.

Erstes Vertrauen zur neuen Bezugsperson wird aufgebaut.

In dieser Phase können Eltern bereits für einige Minuten den Raum verlassen. Wichtig ist die direkte ehrliche Ansprache zum Kind: “Ich gehe in den Flur und komme in 5 Minuten wieder.“

Ein Herausschleichen würde das Kind sofort verunsichern. Das Kind braucht verlässliche Eltern!

Das Kind zeigt immer mehr Freude am Spiel in der Einrichtung. Eltern können nun die Zeit des Weggehens erweitern und ihr Kind weiß, dass sie wiederkommen.

 

  1. Erkenntnisphase „Ich will aber lieber zu Hause bei meinen Eltern bleiben“

Das Kind öffnet sich täglich mehr und zeigt große Freude beim Spiel in der Einrichtung. Allerdings erkennen jetzt auch viele Kinder, dass dieser Gang nichts Einmaliges ist, sondern immer wiederkehrt. Der anfänglichen Neugierde folgt die Erkenntnis, hier muss ich täglich hin, auch wenn ich nicht möchte.

Jetzt kommt es auf das Temperament Ihres Kindes an. Hat das Kind diese Erkenntnis gewonnen, wird sich sein Verhalten verändern.

Morgens wird es sich vielleicht nicht mehr freuen, sondern weinen. In der Einrichtung schreit es so laut, dass eine Übergabe fast nicht möglich ist.

Das Kind gibt jetzt alles, um seine Eltern umzustimmen und seine Bedürfnisse mitzuteilen. Das Kind hat keine andere Möglichkeit als dies ganzkörperlich auszudrücken. Ein Kind hat ein Recht darauf zu schreien und seine Gefühle lauthals auszudrücken.

Wichtig ist jetzt, wie verhalten Sie sich als Eltern?

Wieder ist eine ehrliche Sprechweise sehr wichtig, z.B.:

„Ich verstehe, du bist ganz schön sauer und wütend, weil du heute hier spielen sollst. Ich tröste dich und drück dich noch einmal ganz fest und freue mich, wenn ich dich nach dem Schlafen abholen komme.“

Oder

Ich verstehe, dass du jetzt traurig bist. Komm, wir drücken uns noch einmal ganz doll und freuen uns auf das spätere Wiedersehen.“

Ein Kind ist in diesen Momenten emotional und braucht keine Eltern, die es kognitiv abholen und ihm verbal erklären, warum es heute in die Krippe gehen soll. Auch Versprechungen, die nach dem Besuch der Einrichtung eingelöst werden, beantworten nicht die Gefühle des Kindes.

Manche Eltern verspüren auch aggressive Gefühle und schreien ihr Kind an, dass es sich nicht so anstellen soll. Meist steht Druck dahinter, die Eingewöhnung muss in einer bestimmten Zeit vollzogen sein. Jetzt verstehen die Eltern die Welt nicht mehr, da es am Anfang so gut mit der Eingewöhnung geklappt hatte. Ihr Kind kämpft hier um sein Überleben, nehmen Sie Druck heraus und bleiben Sie entspannt, geben Sie Ihrem Kind die Zeit, die es benötigt.

Sollte Ihnen als Eltern Ihr Kind jetzt unsäglich Leidtun, helfen Sie Ihrem Kind auch nicht in dieser Situation.

Das Wichtigste ist das volle Vertrauen der Eltern in die zu betreuende Person, dies ist die Grundvoraussetzung, dass der Start in die Einrichtung gelingen kann.

 

  1. Veränderungsphase „Meine Eltern wissen was gut für mich ist und sind entschieden“

Ihr Kind hat in der vorigen Phase das Recht, alles zu geben und das wird es je nach Temperament auch tun.

Ihr Kind hat das Ziel, sie umzustimmen.

Wichtig ist jetzt, dass Eltern absolut sicher sind, dass diese Einrichtung die Richtige ist.

Sie haben beobachtet, wie wohl sich Ihr Kind fühlt, erfahren wie liebevoll und achtsam die Erzieherin/Tagesmutter mit Ihrem Kind umgeht.

Jetzt kommt es auf Ihr Gefühl als Eltern an und nicht auf kognitive Argumente.

Spüren Sie in sich hinein, Sie sind sich sicher und diese Sicherheit verkörpern Sie.

Sie denken beim Abgeben Ihres Kindes nicht mehr, oh was sind wir für Rabeneltern, oh wie schrecklich, dass mein Kind jetzt wegen mir weinen muss, mein armes Kind, usw.

Sie denken ab sofort, du darfst weinen und traurig oder wütend sein, aber ich weiß, dass es das Richtige für dich ist.

Glauben Sie mir, in kurzer Zeit wird ein Wunder geschehen.

Erziehung hat ganz viel mit Haltung zu tun. Zeigen Sie Ihrem Kind eine klare Haltung die aussagt, hier in dieser Einrichtung darfst du dich wohlfühlen und ich gehe mit einem guten Gefühl zur Arbeit oder wieder nach Hause.

 

Viel Erfolg!