Der lange Weg zur Selbständigkeit Teil 3: „Ich will unter Kindern sein!“

Zur Selbständigkeit ist der Kontakt zu anderen Kindern von großer Wichtigkeit.

Gerade in der Grundschulzeit finden große Veränderungen in der Persönlichkeitsentwicklung statt.

Das Kind muss sich vergleichen können und Antworten auf seine Fragen bekommen: Wer bin ich? – Wo sind meine Stärken?  – Wo sind meine Schwächen? – Wie unterscheide ich mich von den Anderen? – Wo bin ich klüger, schneller, stärker? – Fühle ich genauso, wie meine Freundin? – Habe ich die gleichen Interessen?

Antworten auf diese Fragen bekommen die Kinder nur im Umgang mit anderen Kindern. Kinder sind Gruppenmenschen.

In der Kindergartenzeit ist es noch wichtig einen Freund zu haben, mit dem ich toll Spielen, Raufen oder Blödsinn machen kann.

In der Grundschulzeit werden Freundschaften differenzierter gesehen.

Die Kinder entwickeln eine Persönlichkeit und bestimmte Charaktereigenschaften treten in den Vordergrund.

Gute Freundschaften werden mit den Worten beschrieben: Ich möchte einen Freund oder Freundin, der ich vertrauen kann – die verlässlich ist – die genauso denkt und fühlt wie ich – der ich Geheimnisse anvertrauen kann – die meine Schwächen kennt und sich nicht darüber lustig macht.

Es ist eine Zeit in der sich „echte Freundschaften“ entwickeln können.

Ein Identitätsgefühl entwickelt sich nur mit einem gleichwertigen Gegenüber.

Freundschaften suchen sich die Kinder selbständig aus. Verabredungen gehören fast zum täglichen Bedürfnis und wie schade ist es, dass viele Kinder heute einen sehr strukturierten Tagesablauf haben, in dem Freunde treffen kaum noch möglich ist.

Der Sport oder die Förderung von einem Instrument oder Kunst sind wichtig, aber das Kind im Grundschulalter braucht auch einen großen Freiraum, um selbständig Verabredungen treffen zu können.

Gerade die Auszeit mit einer Freundin oder einem Freund sind wertvolle Erfahrungen auf dem Weg in die Selbständigkeit.

Ab acht Jahren ist das Kind langsam in der Lage, die Gefühle des Anderen differenzierter wahrzunehmen.

Das Kind konzentriert sich nicht, wie in der Kindergartenzeit, auf die Mimik im Gesicht, sondern erkennt immer mehr, dass sich ein Gefühl ganzkörperlich ausdrückt. Geht es der Freundin nicht gut, dann hängen die Schultern, die Bewegung ist langsamer und trotz einem Lächeln wirkt sie nicht glücklich.

Die Kinder erkennen auch, dass man mehrere Gefühle gleichzeitig haben kann. Ich kann mich freuen, aber auch gleichzeitig etwas traurig sein, weil die Oma nicht an meiner Geburtstagsfeier teilnehmen kann.

Freundschaften sind elementar und nicht nur für Kinder überlebenswichtig.

Auch hier sind die Eltern Vorbild. Pflegen auch Sie Ihre Freundschaften! Zeigen Sie Ihren Kindern, warum Freundschaften uns stärken und vermitteln Sie Ihren Kindern die enge Verbundenheit mit einer Bezugsperson, die man schon ewig kennt.

Öffnen Sie Ihre Wohnung und Ihr Haus. Lassen Sie Ihre Kinder Verabredungen treffen. Ermöglichen Sie Ihrem Kind immer Freunde und Freundinnen nach Hause einladen zu dürfen.

Nutzen Sie diese große Chance, die Freundschaften Ihres Kindes kennenzulernen. Je älter Ihr Kind wird, umso mehr Sicherheit und Gewissheit haben Sie, mit wem sich Ihr Kind trifft.