Mein 14 Monate alter Sohn kann sich kaum selbst beschäftigen. Ständig hängt er an mir und will auf meinem Arm.

Diese Aussage höre ich sehr oft von Eltern und ich möchte die Antwort nutzen, um noch einmal genau die Zeit der ersten zwei Lebensjahre zu erklären.

Die ersten zwei Jahre stehen unter der Überschrift „Emotionale Bindung“. Es geht darum, sein Baby lesen zu lernen, ihm Sicherheit zu geben, eine sichere emotionale Bindung aufzubauen, ihm Halt zu geben und prompt auf seine Bedürfnisse zu reagieren.

Die Bezugspersonen, meist Mama oder Papa, funktionieren wie Tankstellen in dieser Phase. Das Kind tankt Bindung auf, indem es auf den Arm möchte, auf dem Schoß kuscheln oder umhergetragen werden will. Hat es seinen Tank mit Nähe gefüllt, kann es neugierig für ein paar Momente seine Umgebung erkunden.

Phasen, in denen das Kind viel Bindung tanken muss, wechseln sich mit Phasen, in denen das Erkunden im Vordergrund steht, ab.

Eltern merken dieses Tanken am Verhalten ihres Kindes auf der Suche nach sehr viel Nähe.

Ich gebe meinen Eltern in den PEKiP-Kursen immer den Tipp, dieses Bedürfnis nach Nähe so viel wie möglich zu erfüllen, und nicht dagegen zu arbeiten. Je schneller es die Liebe getankt hat, umso sicherer kann es sich wieder seinem Spielfeld widmen.

Kinder brauchen in diesem Alter Anregungen und ein stimulierendes Umfeld. Das Kind will entdecken und benötigt für seinen Tatendrang viele „Jas“ und wenig „Neins“.

Das Kind zeigt uns, ob es bereit zum eigenen Spiel ist. Wenn ich mein Kind auf dem Boden absetze, fängt es zufrieden an zu spielen, oder äußert über seine Laute oder Gesten, dass es noch ein paar Kuschelminuten auf dem Schoß benötigt.

Nehmen Sie Ihr Kind noch einmal hoch und warten Sie geduldig die nächsten Minuten ab, bis sich das Kind von ganz allein von Ihrem Schoß löst.

Je mehr Sie Ihr Kind gegen seinen Willen zum alleine Spielen zwingen, umso mehr fühlt sich das Kind gestresst. Die fehlende Bindungszeit versucht es dann ständig durch hinterherkrabbeln, an den Beinen hochziehen oder durch Schreien zu bekommen. Der Stress des Kindes lässt dadurch ein sicheres, freudiges Spiel nicht zu und ein Teufelskreis entsteht.

Ein Kind in diesem Alter spielt immer in der Nähe der Bezugsperson. Ein Spiel allein in einem anderen Raum findet noch nicht statt. Sollten Sie den Raum verlassen, so teilen Sie dies Ihrem Kind mit, nehmen Sie es mit oder fordern Sie es zum Hinterherkrabbeln auf. Wichtig ist, dem Kind Zeichen zu geben, dass Sie sofort wiederkommen. Wie soll ein Kleinkind wissen, ob Sie nur kurz auf die Toilette gehen, eine Stunde einkaufen oder auf die Arbeit gehen. Benennen Sie immer Ihr Weggehen und gewöhnen Sie sich unterschiedliche Gesten an.

Im Spiel sucht das Kind immer wieder den Blickkontakt zur Bezugsperson. Blickkontakt ist Bindungsaufbau. Es benötigt den Blick, damit sein Spiel gespiegelt wird. Die Bezugsperson teilt dem Kind über Nicken, Lachen, Kopfschütteln, Freude zeigen mit, dass es in Ordnung ist, was das Kind gerade untersucht.

Es gibt natürlich auch bei Eltern immer wieder Zeiten, wo wenig Spiel- oder Kuschelzeit zur Verfügung steht. Dann können Sie Ihrem Kind durch regelmäßig angebotene Mehrzeiten zu einem eigenständigen Spiel helfen.

Merkt das Kind, dass sich seine Bezugsperson morgens beim ersten Anziehen und abends sehr viel entspannte Zeit nimmt und es in dieser Phase in voller Aufmerksamkeit begleitet, kann es langsam mit dieser Gewissheit an ein selbstständiges Spiel herangeführt werden.

Wichtig ist, dass das Kind die Regelmäßigkeit der intensiven Aufmerksamkeit erkennt.

Setzen Sie Ihr Kind auf den Boden und teilen Sie ihm mit: „Ich habe eben ganz lange mit dir gespielt, nun muss ich in der Küche arbeiten und du darfst dabei sein und dich beschäftigen.“

Geduld, Gelassenheit und Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes führen im Anschluss langsam zum Ziel.