Babywippen, Lauflernhilfen, Türhopser – Was braucht mein Kind?

Die Auswahl an Bewegungshilfen im ersten Lebensjahr ist riesengroß.

Die gute Nachricht zuerst: All diese Hilfsgeräte braucht Ihr Kind nicht. Mit dem Kauf eines Gerätes erfreuen Sie den Geldbeutel der Hersteller. Ihr Wohnzimmer wird zur Fuhrparkgarage und Sie können sich bald nicht mehr darin bewegen.

Liest man im Katalog, was diese Hilfen alles bewirken, so glaubt man schnell, dass das eigene Kind ohne diese nicht laufenlernen kann.

Geworben wird mit:

  • spielerisch laufen lernen,
  • Verbesserung der motorischen Fähigkeiten,
  • Stärkung der Beinmuskulatur,
  • Selbstständiges Sitzen mit 6 Lebensmonaten,
  • Bequemes liegen in ergonomisch geformter Schale,
  • Training des Gleichgewichtssinns,
  • Training der Motorik des Kindes,
  • Usw.

Gerade die ersten sieben Lebensmonate sind für die Entwicklung des Babys sehr entscheidend.

Das Baby liegt abwechselnd in Rücken- und Bauchlage und dehnt und streckt dadurch die gesamte Muskulatur seines Körpers. Gerade die Muskeln, die eng um die Wirbelsäule liegen, müssen gestärkt werden, damit ein aufrechtes Sitzen später möglich ist.

Bequeme Haltungen in einer Babywippe fördern jedoch gerade nicht das aktive Spiel und die Bewegung. Wir wissen alle von uns selbst, was bequemes Liegen bedeutet, wir werden einfach faul.

Das Baby muss sich aktiv mit seiner Umwelt auseinandersetzen und dies macht es begleitend in aktiver Bewegung, im Spiel.

Das Baby lernt sich selbst erst einmal kennen. Wie oft können wir bei unserem Baby beobachten, dass es sich ins Gesicht petzt oder an den Haaren oder Ohren zieht. Dies macht es nicht, um sich selbst zu verletzen, sondern weil es noch gar nicht weiß, was alles zu seinem Körper gehört.

Im aktiven Spiel lernt es sich und seinen Körper kennen. In der Rückenlage fasst es am Anfang an seine Oberschenkel, dann seine Knie und schließlich kann es durch das Anheben des Pos seine Füße anfassen und in den Mund nehmen. Diese Bewegung führt es auf einer geraden Fläche ganz allein ohne Hilfsmittel aus. Am besten geeignet ist die Krabbeldecke, die das Liegen auf dem Boden gemütlich macht. Das Liegen auf gerader Fläche ermöglicht auch das Schaukeln auf der Wirbelsäule, das Neigen des Körpers zur Seite und dadurch die Förderung des Gleichgewichtsinns, der vom Baby täglich neu ausprobiert wird, damit es sicher liegen kann.

Babys lieben es, sich nackt im warmen Raum zu bewegen. Wann immer Sie die Möglichkeit haben, den Raum zu erwärmen, bauen Sie lange Spielphasen ein, in denen Ihr Baby nackt strampeln kann. Wenn dies im Zimmer nicht möglich ist, kann auch der Wickeltisch mit der Wärmelampe als Spielort genutzt werden. Aber ganz wichtig, lassen Sie Ihr Kind keinen Augenblick allein auf dem Wickeltisch liegen, die Gefahr durch eine schnelle Bewegung herunterzufallen, ist sehr groß.

Ein Kind, das seine Muskeln in Bauch- und Rückenlage stärken konnte, dreht sich spätestens mit sieben Monaten allein in die Bauchlage.

Das selbstständige Sitzen kann sich ab dem achten Lebensmonat entwickeln. Warten Sie bis Ihr Baby das Sitzen selbstständig gelernt hat und setzen Sie Ihr Kind nicht vorher in den Hochstuhl oder gepolstert auf die Couch. Das Baby zeigt ganz deutlich beim zu frühen Hinsetzen, dass es dies noch nicht leisten kann, da es zur Seite fällt. Die Muskeln sind noch nicht stark genug.

Das Hängen in einem Lauflernwagen oder Türhopser kann die Muskulatur nicht stärken, sondern übt nur Druck auf die Lendenwirbelsäule aus. Dazu kommt noch, dass die Füße meist mit den Zehenspitzen den Boden berühren, was ebenso nicht der natürlichen Entwicklung des Fußes entspricht. Im Stand steht immer der gesamte Fuß auf dem Boden und nicht die Zehenspitzen.

Spielen Sie aktiv mit Ihrem Kind. Regen Sie es zu Bewegungsspielen an, zu denen Sie keine Lauflernhilfen benötigen.

Ihr Kind wird die passenden Möbel finden, an denen es sich selbstständig hochzieht, auf dem ganzen Fuß stehend entlangläuft und von allein in den freien Stand kommt.

Beobachten Sie Ihr Kind, es zeigt Ihnen welche Bewegung es gerade mit großer Freude ausübt. Machen Sie Ihre Schränke und Türen auf und schauen Sie nach, welche Hilfen Sie zu Hause Ihrem Kind geben können. Dies kann eine Plastikschüssel sein, die Sie mit Wäscheklammern füllen, ein Koffer, an dem sich das Kind hochzieht und aufstützt, ein Wäschekorb, eine Wasserkiste, an der man wunderbar herumlaufen kann.

Seien Sie erfinderisch und schauen Sie nach sicherem Spielzeug.

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Viel Spaß beim Spielen!