Auch Jugendliche brauchen Grenzen!

Grenzen leiten und führen, unterstützen und regen uns an.

Grenzen und Regeln sind keine Strafen oder Verbote! Im Gegenteil, sie nehmen das Gegenüber ernst und trauen ihm zu, sich an Absprachen zu halten.

Für Jugendliche bedeuten Grenzen, dass man ihnen zutraut, die Verantwortung für ihr Handeln und die Folgen ihres Tuns zu übernehmen. Dies ist ein ganz wichtiger Aspekt für ihre individuelle Entwicklung. Er bedeutet für Eltern loszulassen und die Verantwortung in die Hände ihres Kindes zu legen. Bei Überschreitung der gesetzten Grenzen gibt es Konsequenzen. Dies verlangt von Eltern, nicht wegzusehen, sondern weiterhin Interesse an dem Leben ihres Kindes zu haben.

Grenzen funktionieren nur auf Grundlage gegenseitiger Achtung, gegenseitigen Respekts und Miteinander.

Vorwürfe und Beschimpfungen haben hier keinen Platz. Eltern, die ständig nachtragend sind und alle vergangenen Fehlhandlungen aufzählen, sollten ihr Handeln überdenken.

Wer Grenzen setzt, riskiert natürlich dennoch Streit oder Wut, Zorn und Unverständnis beim eigenen Kind hervorzurufen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich Eltern mit den Jugendlichen über Grenzen und deren Verletzungen auseinandersetzen. Konsequenzen müssen gemeinsam besprochen und ihre Einhaltung umgesetzt werden.

Grenzen müssen Sinn machen! Zu enge Grenzen lassen Jugendlichen kaum Raum, eigenverantwortlich zu Handeln und sich als Person zu definieren. Zu weite Grenzen geben Orientierungslosigkeit.

Die Pubertät ist für Jugendliche vor allem eine Zeit der Selbstfindung. Sie probieren sich aus. Als Eltern wollen wir unsere Kinder in dieser krisenhaften Zeit bestmöglich unterstützen. Dafür müssen wir unseren Kindern auch Freiräume gewähren. Solche Räume eröffnen sich z.B. bei persönlichen Dingen wie Mode, Frisur, die Gestaltung des Zimmers und Hobbies (egal, was wir als Eltern davon halten!). Grenzen werden dagegen enger gesetzt bei gefährdenden oder mit dem Gesetz unvereinbaren Dingen.

Ich kann mich an viele Situationen erinnern, in denen meine Tochter ein längeres Ausgehen zur Diskussion stellte. Wie oft kann ich mich an meinen Satz erinnern, den ich erklärend zu ihr gesagt habe: „Du bist mir nicht egal, aus diesem Grund möchte ich, dass du pünktlich um 24 Uhr zu Hause bist. Ich muss mich auf dich verlassen können.“ Im Gespräch benannte selbst meine Tochter oft, dass die Freundinnen und Freunde, die ohne Grenzen bis in die Nacht ausgehen durften, das Gefühl hatten, ihren Eltern egal zu sein.

Es ist nicht egal, wann Jugendliche nach Hause kommen. Eltern haben nach wie vor eine Aufsichtspflicht und es sollte ihnen nicht egal sein, wo sich ihr Kind nachts herumtreibt und wie es nach Hause kommt.

Grenzen zeigen den Jugendlichen auch, dass sie ihren Eltern wichtig sind.

Regeln, die aufgestellt werden, müssen eingehalten werden. Darauf müssen Eltern und Jugendliche gemeinsam achten. Bei Nichteinhaltung muss es Konsequenzen geben, die im Vorfeld benannt werden sollten. Somit ist für die Jugendlichen transparent und nachvollziehbar, was bei einem Grenzübertritt die Folgen sein werden. Die Eltern müssen zur Umsetzung lediglich auf diese Absprache bezug nehmen. Wird die Grenze überschritten, ist ein Wiederholen der Regeln nicht mehr angebracht, sondern die Konsequenz wird umgesetzt.

Eltern die konsequent handeln, sind verlässliche Eltern.

Eltern, die sich immer anders verhalten oder sogar strafen sind nicht berechenbar und dieses Verhalten drückt dem Jugendlichen aus, dass er nicht ernst genommen wird. Denn klare Absprachen schützen nicht nur die Eltern, sondern auch die Jugendlichen vor elterlicher Wilkür.

Vermeiden Sie alles zehn Mal zu sagen und Sätze wie: „Muss ich erst böse/sauer werden?!“ helfen in eigentlich keiner Situation. Sie sind lediglich Ausdruck elterlicher Ohnmacht und versuchen allein durch Macht und damit nicht auf Grundlage gegenseitigen Respekts zu erziehen.

Zeigen Sie Haltung, sprechen Sie in Ich-Botschaften und benennen Sie klar die Konsequenz. Denken Sie aber bei allen Regeln auch daran, dass Jugendliche andauernd reifen und sich weiter entwickeln und Regeln entsprechend neu besprochen werden müssen, um Freiräume neu zu gestalten.

Viel Geduld!