Kinder brauchen verlässliche Eltern!

Verlässliche Eltern sein – was bedeutet das eigentlich?

Befragungen von Kindern haben ergeben, dass sich Kinder neben liebevollen Eltern vor allem verlässliche Eltern wünschen. Doch was bedeutet das eigentlich?

Verlässliche Eltern sind solche, die berechenbar sind, d.h. Konsequenzen bei Grenzüberschreitungen klar aussprechen und diese auch umsetzen.

Natürlich sind solche Eltern auch Eltern, die Kinder auch mal als unbequem empfinden. Doch lieber Eltern, die sich treu bleiben und ihre Werte klar vertreten, als solche, die aus Sicht des Kindes willkürlich handeln und einmal ihre Macht ausspielen, ein andermal gleichgültig reagieren. Durch ein konsequentes Auftreten, zeige ich meinem Kind, dass es mir nicht egal ist, dass ich die Absprachen ernst nehme, die wir getroffen haben und dass ich es mitbekomme und es mich interessiert, wenn Grenzen überschritten werden.

Für Kinder bedeutet das, dass sie mit der Zeit einschätzen können, wie ihre Eltern reagieren, wie sie antworten, wie sie „ticken“.

Der Sohn meiner Freundin bedankte sich mit 18 Jahren bei seinen Eltern für ihr konsequentes Handeln. Er sagte: „Es war nicht immer leicht, aber im Gegensatz zu meinen Freunden, wusste ich immer woran ich bin.“

Kinder benötigen Eltern, die eine klare nachvollziehbare Linie fahren und dabei ihren Kindern auf Augenhöhe begegnen.

Ein Beispiel:

Marius kommt 10 Minuten zu spät nach Hause.

Einmal sagen die Eltern: „Ist nicht schlimm, das nächste Mal schaust du früher auf die Uhr.“

Beim nächsten Mal: „Ich habe dir doch gesagt, du sollst pünktlich zu Hause sein, jetzt hast du morgen Hausarrest!“

Dann: „Wenn du noch einmal zu spät kommst, dann darfst du eine Woche nicht weg, ist das klar?!“

Ein anderes Mal: „Komm setz dich zu mir, ich gucke gerade einen spannenden Film, willst du mitschauen?“

Bei diesem Beispiel zeigt sich deutlich, dass Marius überhaupt nicht lernen kann, seine Eltern richtig einzuschätzen. Jedes Mal reagieren sie anders. Das macht sie für ein Kind unberechenbar. Eltern, die in solch einer Situation derart reagieren, so kann man annehmen, handeln in ähnlichen Situationen nicht anders. Ein solches Verhalten ist für Kinder sehr anstrengend, da sie immer mit Allem und Nichts rechnen müssen.

Dabei sind klare Ansagen überhaupt nicht schwer. In diesem Fall hätte sie z.B. wie folgt ausfallen können: „Marius hör zu, wir wollen, dass du pünktlich zu Hause bist. Wir wollen uns auf dich verlassen können. Hältst du die Zeit nicht ein, dann musst du das nächste Mal eine halbe Stunde früher zu Hause sein.“

Bei einer solchen Ansage hätte Marius von vorneherein gewusst, worauf er sich einlässt und welche Konsequenzen ein Nichtbeachten der Grenze nach sich zieht.

Die klare Linie der Eltern macht es Kindern leichter sich zu orientieren, ihren Weg in der Familie zu finden und sich selbst weiterzuentwickeln.

Allerdings ist dieser Weg für Eltern nicht immer leicht. Er gelingt nicht bei jeder Gelegenheit und erfordert Geduld und Gelassenheit. Es lohnt sich aber an sich zu arbeiten und bei jedem Konflikt neu zu überlegen, ob man richtig reagiert hat und was man hätte besser machen können.

Eltern müssen sich immer wieder den gesetzten Regeln und Konsequenzen stellen und diese und das eigene Handeln hinterfragen, damit ihr Kind weiß, woran es ist und nicht durch undurchsichtiges Verhalten überfordert wird.

Dabei wäre es manchmal so angenehm einfach wegzuschauen, weil man müde ist, einen anstrengenden Tag hatte und sich nicht wieder auf Gegenwehr einstellen möchte. Auch dieses Gefühl hat seine Berechtigung. Eltern sind keine Roboter. Authentisch sein bedeutet auch manchmal einfach einmal alle Fünfe grade sein lassen und nicht sofort zu reagieren, wenn das Kind die Regeln verletzt.

In solch einem Fall haben die Eltern die Möglichkeit, eine vergangene Situationen verspätet ansprechen, wie z.B.: „Deine Reaktion heute Nachmittag war nicht in Ordnung. Ich habe es gesehen und war einfach zu müde, um sofort zu reagieren. Ich hoffe, das war heute eine Ausnahme.“

Auch solch eine verspätete Reaktion ist legitim, sollte aber nicht zur Regel werden. Wichtig ist eine ehrliche Sprechweise und die grobe Richtung nicht aus den Augen zu verlieren.