Bitte klopfen! Eltern haben hier keinen Zutritt!

Sicherlich werden Sie diese Aufkleber an der Tür Ihres Kindes kennen. In der Pupertät sind diese Nachrichten ein Erkennungsmerkmal dafür, dass sich Ihr Kind zurückzieht und seine Ruhe braucht.

Wie oft kann ich mich daran erinnern, dass ich auch nach mehrmaligem Klopfen keinen Einlass bekommen habe.

Das Zimmer, in der Pubertät auch „Höhle“ genannt, ist ein wichtiger Rückzugsort für Heranwachsende. Diese müssen sich sicher sein, hier ihr eigenes Leben leben zu dürfen. Eltern oder Geschwister stören in dieser Zeit und dies zu akzeptieren ist sehr wichtig.

In einer Zeit des Umbruchs benötigen Jugendliche einen Raum der absoluten Sicherheit. Hier können sie wirken und ihren Alltag leben.

Mit großem Bedauern habe ich immer wieder von meinen Mädchen in dieser Zeit erfahren, dass manche Freundinnen oder Freunde ihr Zimmer nicht nach ihren Wünschen gestalten durften. Wie traurig ist solch eine Entscheidung.

Können Jugendliche ihr Zimmer nicht nach ihren Wünschen gestalten, dann jagen wir als Eltern unsere eigenen Kinder aus dem Haus. Dann finden alle Treffen der Heranwachsenden nicht bei den Eltern statt, sondern sie flüchten zu anderen Freunden. Gewähren Sie Ihrem Kind, dass es sein Zimmer nach seinen Bedürfnissen gestalten kann, und stellen Sie dadurch sicher, dass Ihr Kind gerne zu Hause ist.

Nur wenn Sie die Freunde Ihres Kindes kennen, können Sie als Eltern einschätzen, in welchen Gruppen sich Ihr Kind bewegt.

Heranzuwachsen bedeutet aber nicht, keine Grenzen und Regeln zu haben.

Es gibt Zeiten des Aufräumens und Zeiten, in dem sich auch Pubertierende in die Gemeinschaft Familie einbringen müssen.

Feste Regeln helfen hier, Diskussionen zu umgehen.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich oft selbst nicht wusste, welche Tochter die Spülmaschine ausräumen musste. Auf Nachfrage war natürlich keine Tochter an der Reihe. Eine kurze Regeländerung brachte dann Klarheit. Jede Tochter war eine Woche dran mit Ausräumen und dies wurde in den Familienkalender mit Namen eingetragen. Die wöchentliche Änderung der Pflichten und das Notieren im Kalender entspannte die Situation für beide Seiten sehr.

Feste Regeln helfen auch, wenn es um die Sauberkeit des eigenen Zimmers geht. Wichtig ist, die Zeitspanne des Aufräumens nicht zu eng zu setzen. Anweisungen, die ein Aufräumen in zwei oder drei Tagen ankündigen sind umsetzbar. In Familien herrschen unterschiedliche Regeln. Manche Kinder müssen ihr Zimmer selbst putzen, bei anderen führt diese Tätigkeit die Mutter oder der Vater aus oder andere haben eine Reinigungskraft. Die präzise Ankündigung des Aufräumens bis zum Putztag lässt dem Jugendlichen Zeit zur freien Gestaltung.