Entspannter Umgang mit Hausaufgaben?

Darf ich Sie fragen, wie oft Sie Streit, Ärger oder Diskussionen über Hausaufgaben haben? Dreimal in der Woche, öfters?

Einige Kinder kommen mit ihren Hausaufgaben einfach nicht zurecht.

  • Sie brauchen unnötig lange
  • verschieben den Beginn der Hausaufgaben immer wieder
  • vergessen die Hälfte
  • arbeiten lustlos und planlos
  • können die Aufgaben nicht allein lösen
  • zeigen keine Motivation
  • lernen mit viel Mühe und großem Zeitaufwand ohne erfolgreich zu sein.

Unser Ziel muss es immer sein, dass wir unserem Kind ein selbständiges und eigenverantwortliches Lernen näherbringen.

Doch wie erreichen wir dieses Ziel?

Vorab ein paar Informationen, wie Lernen geschieht.

Wir lernen über verschiedene „Kanäle“. Je mehr „Kanäle“ am Lernen beteiligt sind, umso besser ist das Ergebnis. Das Kind sollte hören, sehen und schreiben, um alle Kanäle anzusprechen.

Lernen, und damit ist das langfristige Abspeichern von Informationen gemeint, findet nur durch Wiederholung statt. Einmal etwas zu lernen, ist zu wenig. Wiederholungen sind wichtig, um Dinge dauerhaft zu wissen. Gerade Vokabeln oder ein Gedicht sollten im Idealfall noch einmal direkt vor dem Schlafengehen gelesen oder aufgesagt werden, da das Gehirn während des Schlafens Gelerntes sehr gut abspeichern kann.

 

Eine Motivationsliste erstellen

Besprechen Sie mit Ihrem Kind:

  • Welche Fähigkeiten und Begabungen hast du?
  • Was kannst du besonders gut?
  • Was fällt dir besonders leicht?
  • Was sind deine körperlichen Stärken?
  • Was sind deine geistigen Stärken?
  • Welche Fähigkeiten hast du im Umgang mit deinen Mitschülern?
  • Was kannst du in der Schule besonders gut?

Schreiben Sie die Antworten auf, machen Sie eine Hitliste und vergeben Sie nur Noten mit „Spitze“, „Super toll“, „Sehr gut“ und „Gut“.

Die erstellte Motivationsliste ist die Basis, die wir immer wieder im Gedächtnis haben sollten, um unser Kind zu motivieren.

Wichtig ist, dass Sie als Eltern den Blick dafür nicht verlieren, was Ihr Kind alles kann und wie toll es als Mensch ist. Herumnörgeln auf den Dingen, die es nicht kann, bringen uns nicht weiter. Lob wirkt tausend Mal besser als Kritik.

Ein Beispiel: Ihr Kind kommt mit einer Klassenarbeit in Deutsch nach Hause. Seine Fehler sind von der Lehrkraft angestrichen worden. Diese zu wiederholen ist vollkommen unnötig, Ihr Kind kann sehen und lesen!

Vielmehr sollten Sie sich nun auf die Worte konzentrieren, die Sie mit Ihrem Kind geübt hatten und die es richtig geschrieben hat. Sprechen Sie aus, dass sie sich freuen, dass es so viele Worte des Übens fehlerfrei geschrieben hat.

Konzentrieren Sie sich immer auf die Dinge, die gut laufen und heben Sie das Negative nicht hervor.

 

Hausaufgaben strukturieren

Auch hier helfen ein paar Fragen weiter, die Sie mit Ihrem Kind besprechen sollten, um den Plan festzulegen.

  • Was macht mir an meinen Hausaufgaben am meisten Spaß? Will ich dies an den Anfang stellen oder als Belohnung ans Ende?
  • Welche Reihenfolge ist für mich die Beste?
  • Welche Uhrzeit ist für mich am besten?
  • Was darf auf meinem Schreibtisch stehen? Was lenkt mich ab? (so wenig wie möglich)
  • Welche Helfer (Duden, Wörterbuch) kann ich einsetzen?
  • Führe ich ein Hausaufgabenheft und benutze ich es?
  • Schreibe eine Woche auf, wie du deine Zeit eingeteilt hast und welche Reihenfolge du gewählt hast. Kreuze täglich an, ob du mit dieser Aufteilung zufrieden warst. Werte diese Aufzeichnungen nach einer Woche aus, um festzuhalten, welche Einteilung für dich die beste ist.
  • Sollen mir meine Eltern bei den Hausaufgaben helfen? Möchte ich, dass sie sich neben mich setzen oder sollen sie einfach ansprechbar sein, wenn ich Hilfe benötige?
  • Möchte ich, dass meine Eltern die Hausaufgaben im Anschluss anschauen oder anhören?
  • Möchte ich von meinen Eltern mehr gelobt werden, wenn ich die Hausaufgaben gut gemacht habe?

Wie Sie sehen sind dies viele Fragen, die als Stütze für eine entspannte Hausaufgabenzeit dienen können.

Jedes Kind ist einzigartig und das trifft auch auf die Situation des Hausaufgabenmachens zu.

Eltern müssen herausfinden, wie viel Hilfe ihr Kind benötigt und das Ziel muss immer sein, so wenig Hilfe wie möglich zu geben. Klare Absprachen helfen weiter.

Ich kann mich gerade am Anfang oft an diese Zeit erinnern. Meine Tochter hat immer wieder den Versuch gestartet und mir lauthals erklärt, dass sie heute keine Hausaufgaben machen wird. Meine Antwort war immer die Gleiche: „Es ist in Ordnung, wenn du heute keine Hausaufgaben machst. Ich schreibe dir allerdings keine Entschuldigung und du musst morgen zur Lehrerin gehen und ihr mitteilen, dass du keine Lust hattest.“ Spätestens nach 10 Minuten, hatte sie sich anders entschieden.

Kinder spüren sehr schnell, dass Hausaufgaben für Eltern einen besonderen Stellenwert haben und nutzen dies als Druckmittel aus. Lassen Sie sich nicht darauf ein! Verdeutlichen Sie Ihrem Kind immer wieder, dass die Erledigung der Hausaufgaben in seiner Verantwortung liegt. Einer meiner Standardsätze in dieser Zeit war oft: „Du kannst auch ohne Lust Hausaufgaben machen!“

Sollte Ihr Kind dauernd darauf bestehen, dass Sie neben Ihm sitzen und nicht von seiner Seite weichen dürfen, dann müssen Sie Ihren Blick verändern. Oft drücken Kinder durch ihr Verhalten ein Bedürfnis aus, welches sie nicht in Worte fassen können. Sie als Eltern müssen hier Beispiele benennen, um den wahren Grund für sein Verhalten zu erfahren. Oft wollen Kinder, dass ihre Eltern nicht von ihrer Seite weichen, um deren volle Aufmerksamkeit zu bekommen. Handeln Sie mit Ihrem Kind eine individuelle Zeit im Anschluss an die Hausaufgaben oder am Abend aus. Benennen Sie, dass Sie sich auf diese gemeinsame Zeit des Spielens freuen, damit Sie während den Hausaufgaben auch einmal den Raum verlassen können.

 

Ich wünsche Ihnen viel Geduld, Gelassenheit und Feingefühl!