Kindergeburtstag: kindgerecht gestalten

Endlich Geburtstag! Aber wie sollen wir feiern? Eine große Feier oder mehrere getrennte Feiern? Ab wann feiert man überhaupt Kindergeburtstag?

Eine gute Entscheidung ist immer, die Kinderfeier von der Familienfeier zu trennen.

Heute gehen viele Kinder bereits vor dem Kindergarten in die Krippe, sodass früh Kontakte zu anderen Kindern und Eltern geknüpft werden.

Eine wichtige Frage ist jedoch, ab welchem Alter mein Kind richtig Freude an einer eigenen Feier hat?

Kinder im Alter von zwei und drei Jahren trauen sich noch nicht allein an einer Kindergeburtstagsfeier teilzunehmen. Die Anwesenheit eines Elternteils ist für das Wohlgefühl wichtig und muss in die Planung mit aufgenommen werden. Auch die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder ist begrenzt, sodass ein freies Spielen mit kleinen Spielanregungen abgewechselt werden sollte. 

Meiner Erfahrung nach, beginnt ab dem vierten Lebensjahr die Zeit der Kindergeburtstage. Ab diesem Alter sind Kinder in der Lage, selbstständig andere Feiern zu besuchen und eigene Ideen in die Planung mit einfließen zu lassen.

Die Vorfreude des eigenen Kindes ist riesengroß und das Kind sollte unbedingt an der Gestaltung und Planung seiner Feier beteiligt werden.

Die eigene Feier beginnt mit der Gestaltung der Einladungskarte, die je nach Kreativität und Geschick des Kindes und dem geplanten Motto gestaltet werden kann. Eine selbstgebastelte Einladungskarte wird von dem Kind mit sehr großem Stolz an die Gäste verteilt.

Gerade in der heutigen technisierten Zeit, lassen sich Karten mit einer großen Perfektion planen und ausdrucken. Der Gestaltungsspielraum des Kindes ist bei einer am Computer generierten Einladungskarte jedoch sehr eingeschränkt. Das Kind und seine Wünsche sollten hier im Mittelpunkt stehen. Reden Sie mit Ihrem Kind, zeigen Sie ihm verschiedene Bastelvorlagen und unterstützen Sie es bei der Findung seiner Wünsche!

Je mehr das Kind aktiv bei der Vorbereitung eingebunden ist, umso mehr trägt dies später zum Gelingen des Festes bei.

Die alte Regel, dass jedes Kind so viele Kinder einladen darf, wie alt es wird, hat nach wie vor Berechtigung. Je größer die Feier, je mehr Kinder ich einlade, umso weniger Überblick hat mein Kind. Fehlender Überblick und die Interessen und Befindlichkeiten der anderen Kinder, die ihre eigenen Ideen einbringen wollen, setzen das Geburtstagskind unter Stress.

Ich kenne viele Kindergeburtstage, die mit einem Dauerheulen des Geburtstagskindes endeten. Sehr schade!

Es gibt den besonderen Tag im Leben jedes Menschen: der Geburtstag. Dieser Tag gehört dem Geburtstagskind allein. Es darf einladen, darf sich feiern lassen, darf fröhlich sein und an diesem Tag den Ton angeben und sich als die wichtigste Person fühlen.

Feiert das Kind seinen vierten Geburtstag und lädt vier Kinder ein, kann es in dieser kleinen Gruppe ganz entspannt feiern. Die Wünsche von vier weiteren Kindern sind überschaubar, lassen sich anhören und in die Spiele, wenn nötig, integrieren. Das Geburtstagskind ist der Bestimmer an diesem Tag und sollte ihn voll Freude genießen dürfen.

Auch meine Kinder wollten gerne mehr Kinder einladen bzw. wurden von vielen Kindern eingeladen. Das waren für mich keine Gründe von der Altersregel abzuweichen. Ich habe den Gesamtüberblick und die Verantwortung und weiß, mit wie vielen Kindern mein Kind Spaß haben kann.

Viele Feiern werden in der heutigen Zeit unter dem Gesichtspunkt immer größer, höher, weiter, teurer ausgerichtet. Es wird nicht mehr zu Hause gefeiert, sondern die Feier wird outgesourct. Häufig hat man das Gefühl, dass die Selbstpräsentation der Eltern hier wichtiger ist als das Wohlbefinden des Kindes. Fragen Sie sich selbst, nach welchen Vorstellungen Sie gerade handeln. An diesem Tag geht es um die Freude und Bedürfnisse Ihres Kindes, das im Mittelpunkt stehen darf.

Die uralten Spiele wie Topfschlagen, Brezelschnappen, Schokolade auswickeln, usw. waren selbst bei meinen Kindern mit 10 Jahren noch beliebt. Immer wieder habe ich den Satz gehört, endlich dürfen wir mal wieder richtige Geburtstagsspiele spielen.

Auch Schnitzeljagd, Sackhüpfen und Fußballspiele sind ebenfalls heiß begehrt bei den Kindern.

Die Übergabe der Geschenke lässt sich mit einem schönen Anfangsspiel integrieren. Alle sitzen im Kreis und das Geburtstagskind dreht eine Flasche, die in der Mitte des Kreises liegt. Das Kind, auf den der Flaschenhals zeigt, darf vor allen Kindern sein Geschenk überreichen. Dadurch startet die Feier mit einem ruhigen Spiel, das Kind kann in Ruhe sein Geschenk auspacken und ansehen und alle können sich daran erfreuen. Der achtsame Umgang mit einem Geschenk wird dadurch geschult.

Ein Geburtstagskind darf sich selbstverständlich auch das Essen an diesem Tag wünschen. Ich hatte ein Zwergenbackbuch mit leckeren Kuchenrezepten und wunderbaren Fotos, das vom Kind betrachtet wurde, um sich seinen Kuchen auszusuchen.

Auch das Abendessen ist der Wunsch des Geburtstagskindes, ob Würstchen, Pommes, Nudelauflauf, usw. Ob groß, ob klein das Kind sucht sich sein Lieblingsgericht aus.

Der Platz am Tisch des Geburtstagskindes wirkt ganz besonders, wenn Eltern ihn als Thron oder mit Blumen und Girlanden dekorieren.

Auch das Schmücken des Wohnzimmers, das Eltern nach dem Schlafengehen des Kindes überraschend gestalten können, lässt das Kind in großer Freude erwachen.

Der erste Geburtstag wird vom Kind gerade durch die Girlanden und Luftballons wahrgenommen, das Kleinkind spürt, dass heute ein besonderer Tag ist.

Geburtstage sind ritualisierte Tage. Darauf legen Kinder großen Wert. Die Wiedererkennung dieses Tages, ganz gleich welches Familienmitglied Geburtstag hat, ist für die Kinder besonders wichtig.

Der geschmückte Raum, der Kerzenkranz, die Blumen und Geschenke, das Aufwachen oder geweckt werden mit dem Geburtstagslied, der geschmückte Stuhl und Tisch, sind Rituale, die jede Familie für sich bestimmen darf.

Wichtig ist ganz allein das Wiedererkennen und dadurch die Vorfreude auf diesen Tag.

In vielen Familien konnte ich beobachten, dass Geschwisterkinder am Tag eines Geburtstages auch kleine Geschenke von Familienmitgliedern erhalten haben. Ich sehe dies sehr  kritisch, da, wie ich oben ausgeführt habe, jeder Mensch das Recht auf seinen Tag hat. Selbst nicht im Mittelpunkt zu stehen, muss von Geschwistern gelernt werden, ebenso sich für einen anderen Menschen zu freuen und für ihn seinen Tag zu gestalten.

Viel Spaß beim Feiern!