Wieviel Schnuller braucht mein Baby?

Zum Thema Umgang mit dem Schnuller gibt es viele Theorien und Meinungen.

Ich schilder an dieser Stelle meine Beobachtungen und kläre über die Entwicklung der Mundmotorik auf.

Wie bei allen anderen Themen auch, müssen Sie sich als Eltern ein eigenes Bild machen und danach handeln.

Das Nuckeln am Schnuller ist nicht mit dem Saugen zu verwechseln. Das Saugen bzw. Trinken an der Brust oder der Flasche ist ein Kraftakt. Alle Muskeln im Mund- und Rachenbereich werden dadurch gestärkt und für den späteren Spracherwerb vorbereitet. Das häufige Nuckeln am Schnuller schwächt dagegen die Mundmuskulatur, deren Stärkung so wichtig ist. Bei Kleinkindern, die bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr den Schnuller oft im Mund haben, folgt häufig eine logopädische Nachbehandlung.

Das Nuckeln am Schnuller erzeugt nicht die gleiche Spannung wie das Saugen an der Brust und dient dem Baby lediglich, den Muskeltonus herunterzufahren und sich in den Schlafmodus zu bringen.

Die Funktion des Schnullers besteht darin,  das Kind beim Einschlafen zu unterstützen. Spielende, aktive Babys oder Kleinkinder sollen in der Zeit des Spielens keinen Schnuller im Mund haben.

Um den richtigen Umgang mit dem Schnuller zu finden, sollten Sie sich zunächst folgende Fragen stellen:

Wann kommt der Schnuller zum Einsatz? Wie lange ist der Schnuller im Mund? Warum weint mein Baby? Muss jetzt ein Schnuller überhaupt folgen?

  • Weint Ihr Baby, weil es sich weh getan hat, dann benötigt es Trost, aber keinen Schnuller.
  • Weint Ihr Baby, weil es etwas verboten bekommen hat und seinen eigenen Willen durchsetzen möchte, darf es seinen Ärger lauthals herausschreien, benötigt aber keinen Schnuller.
  • Weint Ihr Baby, weil es Hunger hat, so ist auch dieses Weinen berechtigt.
  • Aber weint Ihr Baby, weil es müde ist und nicht selbständig in den Schlaf, in den Ruhemodus findet, dann können Sie überlegen, ob der Schnuller eine Hilfe darstellt.

Ab einem Alter von 4 Monaten kann das Baby greifen und jetzt können Sie überlegen, ob Sie Ihrem Baby überhaupt noch den Schnuller selbst in den Mund stecken. Üben Sie mit Ihrem Baby! Halten Sie Ihm den Schnuller hin und sprechen Sie aus, dass es diesen greifen und selbständig in den Mund führen darf. Kann Ihr Baby seinen Schnuller selbst nehmen, dann wird es dieses Muster auch in der Nacht versuchen. Manche Eltern legen dafür mehrere Schnuller ins Bett, damit die Suche des Babys erfolgreich ist.

Ich finde es wichtig, dass der Schnuller wohlüberlegt und so selten wie möglich angeboten wird. Beobachte ich Eltern, so habe ich oft das Gefühl, dass der Schnuller dazu missbraucht wird, das Baby oder Kleinkind „mundtot“ zu machen bzw. ruhig zu stellen.

Einschlafen will gelernt sein, und hier kann der Schnuller eine große Hilfe sein.

Das Abgewöhnen des Schnullers sollte um das erste Lebensjahr geschehen. Mit dem ersten Lebensjahr essen die meisten Babys vollständig am Familientisch mit. Das Kauen der Mahlzeit erfordert von der Zunge eine andere Bewegung als das Saugen oder Nuckeln. Kann das Baby kauen und essen , so liegt bei geschlossenem Mund die Zunge am oberen Gaumen, und übt dort Druck aus. Ich habe bereits in anderen Artikeln erwähnt, dass Druck und Zug, Muskeln und Knochen zum Wachstum anregen. Druck der Zunge auf den Gaumen bedeutet, dass sich der Oberkiefer formen und wachsen kann. Kauen bedeutet, dass der Unterkiefer dem Oberkiefer Druck  zum Wachsen gibt. Aus der physiologischen Sicht sollte der Schnuller mit dem ersten Lebensjahr entwöhnt werden.

Nutzen Sie z.B. die Gelegenheit einer Erkältung aus, wenn Ihr Baby nur durch den Mund atmen kann und in dieser Zeit der Schnuller störend wirkt. Nach der Erkältung muss der Schnuller nicht mehr angeboten werden.

Wollen Sie ein Ritual wie das Loslassen des Schnullers verändern, müssen Sie Ihrem Baby helfen, andere Rituale an diese Stelle zu setzen. Das kann z.B. eine längere Kuscheleinheit sein, ein Schmusetuch oder ein Schmusekuscheltier.

Auch hier ist Geduld eine wichtige Eigenschaft, wenn Eltern das Einschlafmuster verändern wollen und vor allem helfen Sie Ihrem Baby und lassen Sie es nicht allein.

Viel Geduld und Gelassenheit!