Wut und Zorn brauchen das Lernfeld Familie

Immer wieder sind Eltern überrascht, dass aus dem zarten, kleinen, süßen Baby langsam ein Mensch mit eigenen Interessen, Meinungen und Wünschen wird.

Auf einmal fängt das Kleinkind wütend an zu schreien, weil Mama ihm die Jacke anziehen will. Es möchte, dass dies jetzt Papa übernimmt.

Das Kleinkind wirft sich auf den Boden und schreit, weil es keine weitere Salzstange bekommt.

Diese alltäglichen Situationen lassen sich noch endlos ergänzen.

Viele Eltern sind nicht nur überrascht, sondern auch verunsichert durch das Verhalten ihres Kindes.

Das Schreien bewirkt etwas, es macht etwas mit uns. Einige Eltern fühlen sich überfordert, hilflos, verunsichert und zweifeln an ihrer Erziehung.

Das Kind will etwas bewirken, wer etwas bewirkt, wird gesehen und bekommt Aufmerksamkeit und kann sein Leben mitgestalten. Das Kind möchte erfahren, dass es Einfluss nehmen kann, auf das Verhalten der Eltern und seinen Alltag.

Nur in der Auseinandersetzung kann ich meine Stärken und Schwächen spüren und wahrnehmen.

Das Kind sucht Grenzerfahrungen, die in dem Kleinkindalter auch durch die mächtigen Gefühle ganzkörperlich erfahren werden.

Kindern, die nur lieb und brav sind, fehlen Grenzerfahrungen. Sich durchsetzen können, seinen Willen kundtun, sich behaupten, eine Meinung haben und zu seiner Meinung stehen, zu wissen, wie ich meine Stärken einsetzen kann, dies sind alles wichtige Lernerfahrungen, die in der Kindheit ausprobiert und erlernt werden.

Kinder brauchen Eltern, die stark sind und eine Haltung haben. Die bereit sind, dem Kind ein Lernfeld zu bieten, das Grenzerfahrungen zulässt. Die verstehen, dass das Kind diese Gefühle nicht nutzt, um sie zu ärgern.

Haltung haben bedeutet, dass ich eine Meinung habe, dass ich selbstbewusst auch mit den gewaltigen Gefühlen meines Kindes umgehe, dass ich sie nicht persönlich nehme, sondern zur Entwicklung dazugehörend akzeptiere,  dass ich genau schaue, was das Passende für meine Kind und meine Familie ist und mich nicht von den Meinungen anderer leiten lasse.

Ich selbst habe mit dem ersten Aufstehen am Morgen gespürt, ob mein Kind gerade wieder mehr Grenzerfahrungen erleben möchte. Ich habe mir selbst in Gedanken ein Rüstzeug angezogen und innerlich gesagt, ich bin bereit.  Spätestens nach zwei Wochen war alles vorbei, die neuen Regeln und Grenzen ausgesprochen und akzeptiert und das Familienleben wurde wieder etwas ruhiger.

Schwieriger wird es in Familien, die mehrere Kinder haben, da natürlich jedes Kind individuell seinem Rhythmus folgt. Das habe ich mit meinen drei Kindern selbst erleben dürfen und ich hatte manchmal das Gefühl, dass es nie aufhört.

Zum Glück werden die Kinder größer, die gewaltigen Gefühle müssen nicht mehr, wie im Kleinkindalter körperlich erfahren und ausgedrückt werden, sondern können verbal geäußert werden.

Bleiben Sie mutig und zeigen Sie Haltung!