Zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein, zu pickelig!

Die Umbauprozesse im Gehirn sind in vollem Gang.

Zu den Umbauprozessen gehört auch die körperliche Reifung. Der ganze Stoffwechsel ist im Umbruch und Nahrungsmittel, die zuvor gut vertragen wurden, führen aufgrund der hormonellen Veränderungen zu Pickeln oder Gewichtszunahme.

Hüften werden breiter, Körper schießen in die Höhe oder hören auf zu wachsen.

Mit dieser rasanten körperlichen Entwicklung muss der Jugendliche erst einmal klarkommen.

Das Selbstwertgefühl gerät in die Schieflage und braucht Zeit, bis es sich wieder aufbaut. Ausrufe von Eltern oder Verwandten wie z.B. „Mensch bist du groß geworden!“ – „Du hast aber viele Pickel im Gesicht!“ – „Was hast du für große Füße bekommen!“ helfen in dieser Zeit nicht wirklich weiter.

Der Jugendliche fühlt sich fremd im eigenen Körper und drückt dies auch körperlich aus.

Ein unsicheres Auftreten, nach unten Schauen, fremden Blicken nicht standhalten, eine nuschelnde Sprechweise, Launenhaftigkeit und das Gefühl, dass die ganze Welt gegen einen ist und man missverstanden wird, prägen diese Zeit.

Wir können uns alle an diese schwierige Zeit erinnern und sollten daher einfühlsam mit unserem Kind umgehen. Erst wenn dieses wieder ein gutes Gefühl für seinen Körper gefunden hat, kann sein Selbstwertgefühl steigen.

Welche Hilfen können Eltern ihren Kindern in dieser Zeit geben?

Der erste wichtige Schritt ist, sein Kind so anzunehmen, wie es gerade ist.

Ich weiß, das fällt schwer, aber täglich am eigenen Kind herumzunörgeln und Wunschvorstellungen zu äußern, bringen uns nicht weiter. Konzentrieren Sie sich auf das, was gut läuft. Loben Sie Ihr Kind. Heben Sie hervor, wenn Absprachen gut geklappt haben, freuen Sie sich über seine Zuverlässigkeit, teilen Sie Ihrem Kind mit, dass es gut aussieht, dass es schön gekleidet ist usw.

Zeigen Sie Verständnis für seine schwierige Situation. Äußerungen wie z.B. “ Das hört sich aber schwierig an!“  – “ Das war bestimmt anstrengend!“ – „Toll, wie überlegt du in dieser Situation reagiert hast!“ bestätigen den Jugendlichen. Spiegeln Sie sein gutes Verhalten wieder und drücken Sie Ihre Bewunderung aus.

Das Kind so anzunehmen, wie es ist, heißt nicht, die gleiche Meinung zu haben, den gleichen Geschmack. Unterschiedlichkeit muss mit Respekt und Achtung gelebt werden. Ich kann mich sehr gut an die Zeit erinnern, in der meine Tochter ausschließlich schwarz trug. Das Anderssein zeigt die Abgrenzung zu den Eltern und diese ist wichtig und muss respektiert werden. Natürlich wusste sie, dass ihre Kleidung nicht meinem Geschmack entsprach. Wichtig ist, dass wir als Eltern dieses Verhalten akzeptieren, es nicht täglich negativ zum Thema machen und mit der inneren Haltung und Gewissheit leben, dass alles eine Phase ist, die vorübergeht.

Machen Eltern eine Sache zum absoluten Thema, dann dürfen sie sich nicht wundern, dass der Jugendliche alle Energie aufbringen wird, an diesem Thema festzuhalten. Bleiben Sie entspannt. In den ersten 10 Jahren haben Sie die Basis der Erziehung gelegt und ich hoffe, dass Sie diese Zeit genutzt haben.

Sport unterstützt die Entwicklung zu einem positiven Körpergefühl.

Bis zum zehnten Lebensjahr sollte das Interesse an einem Sport geweckt worden sein. Gerade der Jugendliche braucht zwei bis dreimal in der Woche eine sportliche Aktivität, um Muskeln aufzubauen, seinen Körper zu gestalten und Stress abzubauen. Die Zugehörigkeit zu einem Verein oder einer Gruppe kann helfen, sich für die körperliche Betätigung zu motivieren, da man gemeinsam der Freude am Sport nachgeht. Auch das Fitnessstudio kann eine Alternative sein, um sich sportlich zu betätigen.

Sie kennen bestimmt dieses tolle Gefühl, das sich häufig nach dem Sport im Körper einstellt. Es tut gut zu Schwitzen, körperlich an die eigenen Grenzen zu kommen, zu wissen, was man sich zutrauen und zumuten kann. Genau dieses Körpergefühl und -erleben ist wichtig, damit sich Jugendliche in ihrem Körper wohlfühlen und diesen neu kennenlernen.

Zeigen Sie Interesse an Ihrem Kind.

Interesse zeigen heißt nicht, den Jugendlichen ausfragen. Fragen wie z.B. „Wie wars in der Schule?“ nerven Ihr Kind nur. Legen Sie Wert auf gemeinsame Mahlzeiten, seien Sie Vorbild und erzählen Sie von Ihrem Alltag, von Ihren Sorgen oder auch schönen Erlebnissen. Nehmen Sie Ihr Kind als gleichwertigen Gesprächspartner ernst. Im Gespräch miteinander öffnen sich auch die eigenen Kinder und erzählen, was sie erlebt haben.

Interesse zeigen heißt auch einmal an die Zimmertür zu klopfen und ein Gespräch anzubieten. Wird dies abgelehnt, dann ziehe ich mich ohne persönliche Kränkung zurück.

Begleiten Sie Ihr Kind bei Sportereignissen, bei Auftritten welcher Art auch immer und zeigen Sie Bereitschaft, Ihr Kind abends spät abzuholen.

Eltern sind nicht die besten Freunde oder Freundinnen ihres Kindes. Eltern stehen in ihrer Position über dem Kind. Eltern haben Verantwortung und müssen Regeln und Rituale schaffen. Jugendliche dürfen Geheimnisse haben. Sie müssen den Eltern nicht alles anvertrauen, wichtig ist, dass sie Freunde haben, mit denen sie wichtige und ehrliche Gespräche führen können.

Konnte ich beobachten, dass mein Kind Sorgen hatte, war meine erste Frage: „Möchtest du dein Problem mit mir besprechen?“ war die Antwort ein „Nein!“ war meine zweite Frage: „Hast du Freundinnen und Freunde mit denen du sprechen Kannst?“ Dies abzuklären war mir immer wichtig und ich wusste, dass meine Tochter nicht allein die Lösung suchen musste.

Erziehung ist die Begleitung des Jugendlichen in das Erwachsenenalter, bleiben Sie dran, lassen Sie Ihr Kind nicht allein!

 

One comment

  1. Moni

    Bin gerade auf deinen Blog gestoßen und ich bin total begeistert- deine Artikel sind sehr verständlich geschrieben.
    Danke dafür und weiter so.
    Liebe Grüße Moni

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