Alles doppelt – ein starkes Team!

Alles Wichtige um das Thema „Zwillinge“!

Zwillingseltern zu sein ist einmalig und wundervoll. Ich darf das sagen, da ich selbst das Glück hatte Zwillinge auf die Welt zu bringen. Mittlerweile sind sie erwachsen und ich kann ganz entspannt auf die sehr intensive Zeit zurückblicken.

Das Besondere für mich war immer zwei Menschen zeitglich in ihr Leben begleiten zu dürfen und dabei die große Individualität jeder Tochter wahrnehmen und erleben zu können. Zwei Kinder zu denen ich mit den gleichen Worten z. B. „Nein“ sagte, und doch unterschiedliche Reaktionen herauskamen.

Gerade diese fortlaufende Erkenntniss der Einzigartigkeit jedes Kindes hilft mir in meiner Arbeit als Pädagogin sehr, jeden Menschen individuell zu betrachten.

Das Wichtige am Anfang

 Schauen Sie individuell auf Ihre Kinder, lassen Sie sich nicht verunsichern von Zwillingsregeln, die mit dem Satz beginnen: „Das macht man doch so bei Zwillingen, weil . . .“

Keine Studien haben bewiesen, dass es förderlich oder schädlich für die Entwicklung von Zwillingen ist, wenn man sie gleich anzieht, wenn sie lange oder kurz das Zimmer teilen, wenn sie in die gleiche oder unterschiedliche Kindergartengruppen oder Schulklassen kommen. Es gibt hier genauso wenig ein richtig oder falsch, wie bei der Erziehung von Geschwistern, sondern es gibt nur ein „passend“, d.h. abgestimmt auf das individuelle Verhalten Ihres Kindes.

Die ersten Lebensjahre verbringen Zwillinge sehr intensiv miteinander. Da ist ständig ein Gegenüber, das mich spiegelt, auf meine Laute antwortet, mich anlächelt und seinen Alltag mit mir teilt. Diese große Verbundenheit macht stark, mutig und regt die Entdeckerfreude besonders an.

Teilen

Erwarten Sie bitte nicht, dass Ihre Kinder schon teilen können. Wenn sie dies mit sechs Jahren gut können, schätzen Sie sich glücklich.

Das Kind muss sich erst als eigenständige Person wahrnehmen können, dies passiert um das zweite Lebensjahr. Dann gehört erst einmal alles ihm und wenn es weiß, was alles zu ihm gehört, kann es langsam tauschen, aber d.h. noch nicht teilen.

Mit Zwillingen haben Sie alles im Doppelpack. Ein ganzer Fuhrpark steht irgendwann im Wohnzimmer und teilen und warten muss noch gelernt werden.

Gerade das Auto in der Hand des Bruders ist viel interessanter als das Auto das leblos vor mir steht. So ist es und so bleibt es lange. Warten Sie erst einmal gespannt ab und beobachten Sie die Situation. Oft einigen sich die Kinder untereinander und ein Eingreifen ist nicht nötig.

Müssen Sie eingreifen, spiegeln Sie die Situation mit positiven Worten und benennen Sie im Satz die Lösung, wie z.B.: „Ich sehe, du willst auch mit dem Auto vom Tim spielen und hast es dir genommen. Tim darf der Oskar dein Auto haben, dann gibt er dir ein anderes Auto? Ihr tauscht!“

Sprache

Die enge Verbindung zum Zwilling ermöglicht die Entwicklung einer eigenen Sprache, die selbst die Eltern nicht verstehen. Aber seien Sie nicht besorgt, da Zwillinge mit der Zeit auch mehr Interesse an anderen Kindern zeigen, erkennen sie sehr schnell, dass diese ihre Sprache nicht verstehen und passen sich an.

Das Spiel

Zwillinge haben sich gegenseitig und diese Verbindung ist in den ersten Jahren sehr eng und ausreichend. Der Spielpartner ist immer dabei und Langeweile kommt nicht auf.

Ich kann mich noch erinnern, wie viele Gedanken ich mir im Vorfeld gemacht habe, was passiert, wenn beide krabbeln und laufen können, und dies in unterschiedliche Räume und Richtungen tun. Meine Sorge war unbegründet, denn immer dort, wo sich der eine Zwilling aufhielt, war der Andere auch gleich zur Stelle, da die Neugierde einfach zu groß war.

Vergleichen

Sie dürfen vergleichen, sonst könnten Sie die Einzigartigkeit Ihrer Kinder nicht wahrnehmen. Aber bitte bewerten Sie nicht und weisen Sie den Kindern keine festen Rollen zu, die den einzelnen schwächer oder schlechter machen. Sich aus einer Rolle zu lösen, ist sehr schwer und erschwert später, kleine Veränderungen positiv wahrzunehmen.

Das Festlegen von Rollen wäre z.B. das ist der „Brave“, der ist der „Unruhige“ oder die ist die „Denkerin“ und ihre Schwester die „Wilde“.

Achten Sie auf die neu gewonnenen Fähigkeiten und Fertigkeiten Ihres Kindes und heben Sie diese hervor.

Trotz

Ein trotzendes Kind kann schon sehr anstrengend sein, aber gleich Zwei zu haben, bedeutet für Zwillingseltern eine besondere Herausforderung. Zwillinge trotzen nicht mehr als andere Kinder, aber im Doppelpack fühlt es sich einfach sehr oft laut an. Üben Sie sich in Geduld und Gelassenheit und gehen Sie mit der Gewissheit in den Tag, dass auch diese Phase vorübergeht.

Doch Achtung, Konsequenzen müssen immer am einzelnen Kind und an der Situation ausgemacht werden, und sollten nicht kollektiv gelten!

Zimmer

Es gibt keine allgemein gültigen Regeln wie lange Zwillinge sich das Zimmer teilen sollten. Meine Töchter wollten mit 10 Jahren ihr eigenes Zimmer haben. Der Zeitpunkt ist gekommen, wenn die Interessen und der Freundeskreis sich sehr unterschiedlich entwickeln.

Individualität fördern

Sie fördern das Individuelle, wenn Sie darauf achten, jeden Zwilling einzeln mit seinem Namen anzusprechen.

Kennzeichnen Sie persönliche Sachen mit unterschiedlichen Farben oder Formen, sodass jede Person sehr schnell das Kind erkennen kann.

T-Shirts mit dem Namen des Kindes können den Start in die Kindertagesstätte einfacher gestalten oder schaffen Sie andere Unterscheidungsmerkmale.

Loben Sie jedes Kind persönlich.

Vermeiden Sie den verbalen Vergleich, wie z.B. „Der Tom kann aber schon auf das Töpfchen, wann lernst du das?“ – „Die Sarah kann schon allein ihre Schuhe anziehen, ich hoffe, du kannst das auch bald!“

Genießen Sie Ihre doppelte Freude!