Der erste Brei oder der Beginn einer Essstörung?

Essen ist etwas Sinnliches. Das Baby, das bisher alles ganzkörperlich erkunden konnte, möchte auch das Essen mit allen Sinnen begreifen.

Essen bedeutet hier nicht Nahrungsaufnahme über einen Löffel in den Mund. Das Essen des Babys bedeutet, den Brei mit den Händen zu begreifen, ihn in das Gesicht zu schmieren oder auch in die Haare, Spuren auf dem Tisch zu formen und auf dem Stuhl, den Brei auszuspucken und zu untersuchen. Die Nahrung zu fühlen, zu riechen, zu hören, zu sehen und zu schmecken.

Erst wer das Essen mit allen Sinnen erfahren darf, weiß, was seine Eltern ihm in den Mund stecken.

Essen ist sinnlich, wohltuend, genussvoll, geschmackvoll, fröhlich und gemeinschaftlich.

Das Baby braucht keine Eltern,

  • die ihm das Essen so schnell wie möglich in den Mund schieben.
  • die ihm nach jedem Löffel den Mund abputzen.
  • die ihm nach jedem Bissen mit dem Löffel den Mund abstreichen.
  • die es vom eigentlichen Wahrnehmen ablenken.
  • die ständig Essenslernregeln im Kopf haben.
  • die trotz Zeichen der Sättigung durch Ablenkungsspiele noch etwas hineinstopfen.

Das Baby braucht Eltern,

  • die geduldig sind.
  • die entspannt dem Ausprobieren Zeit geben.
  • die Essen als ein Lernprozess sehen.
  • die nicht enttäuscht sind, wenn das Kind heute das Selbstgekochte verweigert.
  • die Sättigungszeichen wahrnehmen und sofort reagieren.
  • die ihrem Baby vertrauen, dass es schon selbst regulieren kann, wann es satt und wann es hungrig ist.
  • die anerkennen, dass es schon in diesem frühen Alter Essensvorlieben gibt.
  • die wissen, dass ihr Baby nicht täglich die gleiche Menge essen kann.
  • die wissen, dass ihr Baby bei Zahnschmerzen gar nichts mehr essen möchte.

Liebe Eltern, bleiben Sie entspannt und geduldig. Ihr Baby darf entscheiden, wann der Prozess abgeschlossen ist. Probieren Sie Neues an Nahrung aus, lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie neue Rezepte für die ganze Familie. Je mehr Personen gemeinsam essen, umso mehr Spaß bereitet dies auch Ihrem Kind.

Sollte Ihr Kind bereits an einer Essstörung leiden, holen Sie sich bitte so schnell wie möglich professionelle Hilfe!