Dürfen Omas und Opas verwöhnen?

Seit einem halben Jahr bin ich selbst Oma.

Darf ich verwöhnen? Ich hoffe, ja! Doch es kommt wie bei allen erzieherischen Maßnahmen auf das Was, Wie, Wann und Wieviel an!

Im Genießermodus bin ich schon. Ich darf entscheiden, wann ich Zeit für meinen Enkel habe, wie lange ich ihn sehen möchte und ich kann im Anschluss ganz entspannt gehen, auch wenn ich weiß, dass er heute Zahnweh hat und meine Tochter noch eine anstrengende Nacht vor sich haben wird.

Die Ernährung meiner Kinder war mir selbst sehr wichtig, sodass es für mich selbstverständlich ist, dass dies mir bei meinem Enkel auch wichtig ist. Allerdings gibt hier meine Tochter den Ton an. Sie entscheidet, was er essen soll und was ich füttern darf. Ich werde mir seine Liebe nicht mit Süßigkeiten erkaufen, weil diese Liebe als Basis zwischen uns langsam reifen und wachsen darf.

Sicherlich werde ich ihm gerne sein Liebelingsessen kochen.

Ich werde ihm auch nicht die erste Cola ausgeben, da ich selbst keine trinke und mir der Zuckergehalt viel zu hoch ist.

Sollte er bei mir übernachten, wird er bestimmt länger aufbleiben dürfen. Ich werde die abendlichen Zubettgehrituale genießen und sie etwas ausweiten. Er wird allabendlich mehr Zubettgehgeschichten heraushandeln können als bei seinen Eltern.

Ich werde die Zeit mit ihm genießen und entspannt mit ihm auf den Spielplatz gehen. Bei Dingen, die mir wichtig sind, wird er die Chance bekommen, seine Oma weichzuklopfen, um extra Zeit herauszuhandeln.

Allerdings werden seine Eltern die Grundsteine seiner Erziehung legen und ihre wichtigsten Regeln und Grenzen bestimmen.

Diese werde ich achten.

Ist es meiner Tochter und meinem Schwiegersohn wichtig, dass ihr Sohn in den ersten zwei Jahren keine zuckerhaltigen Nahrungsmittel bekommt, werde ich diese Regel achten.

Darf er erst ab dem dritten Lebensjahr Fernsehen schauen, werde ich dies akzeptieren.

Darf er ohne Mütze nicht draußen spielen, werde ich ihm die Mütze aufsetzen.

Soll er nach jeder Mahlzeit die Zähne putzen, werde ich auch dies umsetzen.

Es kommt immer darauf an, welche Grenzen und Regeln von Oma und Opa überschritten werden.

Erkenne ich die Grenzen des Überschreitens nicht, so wünsche ich mir von meiner Tochter, dass sie diese benennt. Nur im gegenseitigen Vertrauen und mit gegenseitiger Achtsamkeit, können ehrliche Gespräche auf Augenhöhe stattfinden.

Dieses Benennen ist ganz wichtig, da Eltern sowie Großeltern unterschiedliche Regeln in der Erziehung haben werden. Auch Regeln, die noch bei den eigenen Kindern galten, können sich durch das Alter und die entspannte Lage als Großeltern verändern.

Gegenseitiges Verständnis und ehrliche Aussprache sind dafür wichtig. Im Gespräch geht es nicht um Anschuldigungen und Vorwürfe. Es geht darum, dass Eltern die Erziehungsverantwortung ausüben und bestimmen, welche Regeln nicht überschritten werden dürfen. Die Großeltern hatten bereits ihre Chance Kinder zu erziehen. Jetzt bestimmen die Eltern und Oma und Opa stehen an zweiter Stelle.

Großeltern und Eltern dürfen selbstverständlich eigene Regeln haben, es gibt immer einen Spielraum an Regeln, der genutzt werden darf und gegenseitig akzeptiert wird. Das Kind ist durchaus in der Lage zwischen den Regeln zu unterscheiden. So gibt es Oma und Opa -Regeln und Eltern-Regeln.

Hier ein Beispiel für eine Regel, die unterschiedlich gehandhabt werden kann. Darf mein Enkel z.B. bei seinen Eltern auf dem Sofa hüpfen oder an verschiedenen Orten in der Wohnung essen, dann weiß ich, dass er dies bei mir nicht dürfen wird. Dies ist eine typische Regel, die verändert werden kann, da jeder andere Regeln in der eigenen Wohnung hat.

Das Kind ist in der Lage zu unterscheiden, welche Regeln wo gelten und lernt durch sein autonomes Verhalten immer mehr Regeln kennen. Die Regeln bei der Tagesmutter, im Kindergarten, auf dem Spielplatz, bei Freunden usw.

Ein Kind wird nicht überfordert, sollte es unterschiedliche Regeln kennenlernen. Es sind eher wichtige Lernerfahrungen, die ihm helfen, je älter es wird, Regeln und Grenzen zu vergleichen und sich eine eigene selbstständige Meinung zu bilden.

Bleiben Sie im Gespräch!