Mein Kind kommt in die Krippe!

Eine ganz besondere Zeit bricht mit dem Start in die Krippe an.

Sehr wahrscheinlich haben Sie sich bewusst für eine Einrichtung entschieden, die Ihnen am besten gefällt.

Die Eingewöhnung so gut wie möglich zu gestalten, ist ein wichtiges Ziel. Die Einrichtungen gehen nach gezielten Konzepten vor, die Ihnen als Eltern rechtzeitig mitgeteilt werden. Für die Eingewöhnung muss ausreichend Zeit zur Verfügung stehen, damit Eltern nicht unter Druck geraten.

Die Entwicklung einjähriger Kinder unterscheidet sich sehr von der Entwicklung eines Zwei- oder Dreijährigen.

Das 12 Monate alte Baby kann sich selbst noch nicht als eigenständige Persönlichkeit wahrnehmen.

Es fühlt sich wohl in der engen Bindung zu einer Bezugsperson, in den meisten Fällen sind das im Vorfeld die Eltern. Deshalb besteht die eigentliche Eingewöhnung nicht darin, das Kind mit einer neuen Räumlichkeit bekannt zu machen, sondern die Beziehung bzw. Bindung zu einer fremden Person, der Erzieherin oder dem Erzieher aufzubauen.

Wichtig: Es ist absolut wichtig, dass die Einrichtung gewährleisten kann, dass eine Betreuerin das Kind täglich während der Eingewöhnung in Empfang nehmen kann. Fragen Sie in der Einrichtung nach, welche Erzieherin für Ihr Kind diese Aufgabe übernimmt. Diese Erzieherin wird im Vorfeld viele Informationen über Ihr Kind erfragen, damit sie es besser kennenlernen und einschätzen kann.

Sie müssen als Eltern ein gutes Gefühl für die Einrichtung und die Erzieherin haben.

Vertrauen ist eine wichtige Voraussetzung, damit Sie entspannt arbeiten gehen können und keine Sorgen haben. Fühlen Sie sich nicht wohl, spüren Sie eine große Unsicherheit oder sogar Ängste, dann überträgt sich Ihr Gefühl auf Ihr Kind.

Ihr Kind ist ganz eng über Ihr Gefühl mit Ihnen verbunden und spürt kleinste Stimmungsschwankungen.

Diese Unsicherheit drücken die Kinder durch langes Weinen aus, und der Trennungsschmerz ist umso größer. Die Eingewöhnung gestaltet sich dadurch länger und wird zu einer großen Herausforderung.

Gehen Sie ehrlich mit sich um, das Vertrauen der Eltern in die Einrichtung und in die Betreuungsperson ist von großer Bedeutung.

Das Kind hat in diesem Alter noch kein Zeitgefühl, umso wichtiger sind Rituale, die dem Kind den nächsten Schritt anzeigen.

Das Abschiedsritual in der Einrichtung sollte sich von dem Abschiedsritual unterscheiden, wenn Sie nur mal kurz einkaufen gehen. Das Kind darf mit der Zeit verstehen, dass bei diesem Abschiedsritual seine Eltern für längere Zeit gehen.

Wichtig: Abschied nehmen tut weh und fühlt sich traurig an. Diese Traurigkeit darf sich über das Weinen bei Ihrem Kind ausdrücken. Wenn wir uns nicht verabschieden würden, könnten wir nie das schöne Gefühl der Wiedersehensfreude genießen. Machen Sie das Weinen Ihres Kindes nicht zum Barometer dafür, wie sich der Tag in der Einrichtung gestalten wird. Wichtig ist, dass die Erzieherin Ihr Kind liebevoll tröstet und sich die Traurigkeit nach einer gewissen Zeit in Neugierde und aktives Spielen umwandelt. Sicherlich können Eltern auch noch einmal zur Sicherheit in der Einrichtung anrufen, um Gewissheit zu erlangen, dass sich Ihr Kind beruhigt hat.

Du musst doch nicht weinen! Wie oft habe ich diesen Satz von Eltern schon gehört. Das Kind hat das Recht auf Traurigkeit und ein Recht diese Trauer über das Weinen auszudrücken. Eltern sind Spiegel Ihres Kindes und drücken über Ihre Worte das Gefühl des Kindes aus. Nehmen Sie Ihr Kind noch einmal ganz fest in den Arm und sagen Sie Ihm: „Ich sehe, du bist heute ganz doll traurig. Ich drücke dich deshalb nochmal ganz fest und Petra wird dich jetzt trösten. Ich freue mich schon auf später, wenn ich dich nach dem Mittagsschlaf abhole, dann kuscheln wir wieder ganz doll.“ Mit diesen Worten drücken Sie die Trauer aus, damit erlauben Sie Ihrem Kind traurig zu sein – und ganz wichtig: Sie lenken den Blick mit Ihren Worten auf die spätere Wiedersehensfreude.

Ein Einjähriges versteht schon sehr viele Worte, obwohl es selbst noch nicht sprechen kann. Warten Sie nicht, bis Ihr Kind spricht, um ehrlich mit Ihrem Kind zu reden.

Die Sprache explodiert förmlich im Alter von 2 Jahren.

Über die Sprache können sich die Kinder gerade in der Krippe in einem Alter zwischen 12 und 24 Monaten nur sehr begrenzt ausdrücken. Ein Spielen miteinander kann nur mit Absprachen stattfinden, so ist das anfängliche Spielen ein Nachahmen und Beobachten von den Spielaktivitäten der Anderen. Gerade das Kopieren von Aktionen ist nicht zu unterschätzen. Eltern berichten oft, wie rasant sich das Kind entwickelt, sobald es eine Einrichtung besucht. Die natürliche Neugierde und Motivation hilft dem Kind, rasch in seiner Entwicklung voranzukommen.

Konflikte können von den Kindern noch nicht verbal gelöst werden.

Wichtig ist immer als Vorbild den Kindern zu zeigen, wie eine Lösung aussehen könnte. Ich weigere mich immer, das Interesse an einem Gegenstand des anderen Kindes als „Wegnehmen“ zu bezeichnen. Wegnehmen kann ein Kind, wenn es im Vorfeld um den Gegenstand gebeten hat. Das Spielgerät in der Hand eines Anderen bewegt sich und ist dadurch interessanter, als das Material, was unbeweglich auf dem Boden liegt. Wir können den Kindern sehr helfen, wenn wir das Aneignen eines Spiels vom anderen Kind mit den Worten begleiten: „Ach, das ist ja toll, was der Tom gerade in der Hand hatte. Ich sehe du möchtest das auch haben. Jetzt spielt aber Tom damit und wir müssen warten, bis er sein Spiel beendet hat. Dann darfst du das tolle Auto haben.“

Bis zum Alter von 2 Jahren können Kinder nicht warten.

Ihre Bedürfnisse müssen prompt erkannt und befriedigt werden. Deshalb ist das Warten sofort mit Frust und starken Gefühlsregungen verbunden. Es ist in dieser Zeit völlig legitim, dem Kind andere Spielmöglichkeiten anzubieten. Warten will geübt und gelernt werden.

Hauen, Kratzen, Beißen und Schubsen gehören zu den normalen Umgangsformen von Kindern in diesem Alter.

Das Kind, das seiner Sprache noch nicht mächtig ist, setzt seinen Körper ein, um Konflikte zu lösen und sich auszuprobieren. Wichtig ist, dass Eltern verstehen, dass Sie kein aggressives Kind haben, nur weil es andere Kinder schubst. Mit dem Beginn der Sprache und viel Geduld werden die körperlichen Auseinandersetzungen weniger. Eltern sollten sich immer auf das konzentrieren, was das Kind tun soll. Petzt das Kind ein anderes Kind oder zieht ihm an den Haaren, dann sprechen wir aus: „Komm: Ich zeige dir, wie man ‚Ei‘ macht. Schau: So geht das Streicheln!“ Wird das Kind öfters von anderen Kindern geschubst, dann können wir mit unserem Kind das „Nein“-Sagen üben, indem wir ihm mitteilen: „Wenn der Tom dich schubsen will, rufst du ganz laut ‚NEIN‘.“ Auch hier ist Geduld eine wichtige Tugend und fleißiges Üben die Voraussetzung für Fortschritte. Kinder, die viel über Ihre Körperlichkeit ausdrücken, brauchen ganz besonders unsere Hilfe mit sehr viel Liebe und Gelassenheit.

Das Kind nimmt sehr viele Eindrücke in der Krippe auf.

Nicht immer ist es ihm möglich, abzuschalten und auszuruhen, da die Neugierde überwiegt. Im Spiel wird diese Überforderung oft nicht sichtbar. Allerdings weiß ich von vielen Elternberichten, dass die Kinder beim Abholen oft anfangen zu weinen. Wichtig ist zu verstehen, warum Ihr Kind weint. Es weint nicht, weil es abgeholt wird und noch spielen möchte. Es weint, weil jetzt seine engste Bindungsperson kommt, und es die Möglichkeit hat, jetzt alle Gefühle ehrlich zu zeigen. Gefühle der Freude, der Erschöpfung, der Überforderung, der Müdigkeit usw. Nehmen Sie Ihr Kind in den Arm und trösten Sie es. Ziehen Sie es an, auch wenn es dies in kleinen Schritten schon selbstständig kann. Jetzt ist der Zeitpunkt des Verwöhnens und nicht die Zeit des Durchsetzens von Selbstständigkeit.

Manche Kinder können nicht mehr nach Hause laufen und müssen getragen werden. All diese Reaktionen zeigen, dass Ihr Kind nicht reagiert um Sie zu ärgern, sondern es drückt dadurch aus, dass es einen anstrengenden „Arbeitstag“ hinter sich hat und jetzt ganz viel Zuwendung benötigt.

Verändertes Ein- und Durchschlafen sind ebenso Zeichen der großen Eingewöhnungsphase.

Sehr oft habe ich gerade auf diese Frage geantwortet, seitdem mein Blog online ist. Immer wieder berichten Eltern, dass Ihr Kind nicht mehr allein einschlafen oder durchschlafen kann. Es weint abends sehr stark, die Eltern dürfen erst das Bett verlassen, wenn das Kind zum Schlafen gefunden hat. Auch das nächtliche Aufwachen drückt sich durch starkes Weinen aus, und hört erst auf, wenn die Eltern Ihr Kind mit in ihr Bett nehmen.

Bleiben Sie entspannt. Das Kind, das jetzt in die Krippe oder zur Tagesmutter geht, hat schließlich sehr viele neue Eindrücke zu verarbeiten. Andererseits fehlt ihm ganz viel Bindungszeit zu den Eltern, die es im Anschluss nachholen muss. Richten Sie im Anschluss an die Krippe ihren Alltag so ein, dass sie ausnahmslos Zeit für Ihr Kind haben. Je mehr Zuwendung zum Spielen, Schmusen und Kuscheln Sie zur Verfügung haben, umso mehr kann Ihr Kind „Mama und Papa tanken“.

Je mehr Nähe Ihr Kind jetzt erfährt, umso schneller kann es Sicherheit tanken, die es für die neue Situation „Krippe“ stark machen.

Bleiben Sie entspannt, bleiben Sie bei Ihrem Kind und lassen Sie Ihr Kind nicht allein!

2 Comments

  1. Melanie

    Liebe Erika,
    ich erinnere mich noch sehr gut an deine Worte und Empfehlung zum Thema Eingewöhnung und Krippe zum Ende des PEKIP Kurses. Bereits dort fühlte ich mich gut vorbereitet auf das vorbereitende Aufnahmegespräch einen Monat bevor es los ging und konnte die richtigen und wichtigen Fragen in dem Gespräch stellen. Im Nachhinein – unsere kleine tapfere Maus ist nun seit Anfang Januar täglich in der Kita – muss ich sagen: alles gut gelaufen und bestimmt viel richtig gemacht.
    in Folgenden Punkten kann ich deine Empfehlungen/ Einschätzungen absolut bestärken:
    – es muss gerade für die ersten Monate eine feste Bezugsperson vorhanden sein (check – das war und ist bei uns so)
    – eine stress- und druckfreie Eingewöhnung ist wichtig (check – bei uns hat es 7 Wochen gedauert bis es einigermaßen rund lief)
    – Urlaub von einem selbst und der Bezugsperson in der Kita in der Eingewöhnung ist zu vermeiden (check – auf jeden Fall! Konstanz ist wichtig)
    – nach der Kita ist intensive Mama-/Papazeit angesagt (check – absolut! an manchen Tagen geht gar nichts mehr und man muss einfach das Zusammensein ganz intensiv gestalten mit viel Kuscheln und Nähe)
    Ich bin nach wie vor sehr froh, dass bisher alles so gut läuft und nach wie vor davon überzeugt, keine Rabenmutter zu sein, da ich unsere Kleine so früh in die Kita gegeben haben. Ich kann ihr in den verbleibenden Stunden nun mehr geben als ich es sonst gekonnt hätte. Anfang August steht dann wieder alles Kopf und eine spannende Zeit bricht mit der Ankunft des kleinen Brüderchens an. Ich bin sehr gespannt.
    Danke für deine Unterstützung!

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