Wie spreche ich mit meinem Kind? Teil 2

Eltern lieben es, Fragen zu stellen!

Doch leider setzen Fragen keine klaren Grenzen und vor allem überfordern Fragen, gerade im Kleinkindalter, viele Kinder.

Fragen geben Kindern sehr viel Freiraum und setzen voraus, alles bereits im Großen und Ganzen wahrzunehmen. Dazu sind Kinder in diesem Alter jedoch nicht in der Lage, sie sind in dieser Zeit noch absolut egozentrisch, d.h. sie müssen erst sich selbst mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen kennenlernen und sind noch nicht in der Lage, diese zu benennen. Eltern, die hier wieder klare Ansagen machen, klare Regeln vorgeben und das Kind mit seinen Gefühlen spiegeln, helfen ihrem Kind am meisten.

Bsp.: „Willst du mit zur Oma?“ – Super, was machen Sie, wenn das Kind gleich „Nein“ sagt? Bleiben Sie dann zu Hause?

Den Alltag bestimmen Eltern, das Kind hat vielleicht einen kleinen Spielraum und darf entscheiden, ob es zum Spielen auf den großen oder kleinen Spielplatz gehen möchte, mehr aber nicht. Es darf nicht entscheiden, wie der Tagesablauf aussieht, und braucht keine Eltern, die alles nach seinen Wünschen ausrichten.

Eltern geben die klaren Ansagen und wenn es den Kindern nicht gefällt, dann teilen sie dies mit.

Leider werden die Kinder viel zu häufig in Entscheidungsprozesse mit einbezogen und dadurch überfordert. Ich finde es selbst auch ganz toll, wenn mein Partner z.B. alle Termine rund ums Auto übernimmt und plant. Ich will gar nicht immer gefragt werden und mit entscheiden müssen. Jeder hat seine Aufgabe für die er verantwortlich ist und setzt diese um.

Kinder wollen in erster Linie spielen, viele neue Erfahrungen machen, sich neugierig Neuem zuwenden und viele Fragen stellen, auf die Eltern liebevoll antworten dürfen, und ihre Eltern bei deren alltäglichen Aufgaben begleiten. Sie wollen einfach spielen und nicht bei Entscheidungsprozessen beteiligt werden.

Bsp.: „Möchtest du die Gelbwurst, oder Schinken, oder Salami oder Gouda, oder  Edamer, oder doch lieber nur Gurke auf das Brot?“

Bei solch einer Vielzahl von Angeboten ist man fast selbst überfordert. Zwischen zwei Möglichkeiten kann sich das Kind entscheiden. „Möchtest du Gelbwurst oder Salami auf dein Brot?“

Bleiben Sie bei zwei Angeboten und vertrauen Sie Ihrem Kind, dass es sich meldet, falls die Auswahl zwischen zwei Dingen zu wenig ist.

Bsp.: „Könntest du bitte dein Zimmer aufräumen?“ – „NEIN!“

Ja, hier ist es jetzt einfach dumm gelaufen. Fragen setzen keine Grenzen und sind keine klaren Aussagen. Besser wäre: „Ich möchte, dass du dein Zimmer aufräumst. Ich kann dir jetzt helfen oder nach dem Abendessen?“ – Sollte Ihr Kind wiefolgt antworten: „Ich habe aber keine Lust zum Aufräumen!“, dann könnten Sie ganz entspannt erwidern: „Dann räumst du heute ohne Lust dein Zimmer auf!“

Bsp.: „Kannst du bitte den Fernseher ausmachen?“ – „Nein!“

Sie merken sicherlich jetzt, dass das Kind durch Fragen immer zwei Möglichkeiten der Antwort hat. Nämlich „Ja“ oder „Nein“.

Überlegen Sie selbst, bevor Sie sprechen und eine Frage stellen, ob es für beide Antworten Spielräume gibt.

„Ich möchte, dass du jetzt den Fernseher ausmachst!“ – Dies ist eine klare Ansage, das Kind weiß, was es tun soll. Gerade das Wort „jetzt“ kann bei richtiger Betonung die Bedeutung auf den sofortigen Augenblick lenken.

Bsp.: „Ziehst du dich bitte an? Wir wollen doch los in den Kindergarten?“ – „NEIN“

Gerade das Weggehen mit Kindern gestaltet sich oftmals sehr schwierig. Hier benötigen die Kinder noch viel Hilfe. Kinder sehen in jedem Gegenstand eine Spielsache. Auch mit Strümpfen und einer Hose lässt sich wunderbar spielen. Kinder haben noch kein Zeitempfinden. Sie wissen nicht wirklich wie lange fünf Minuten sind. Kinder sind langsam und wollen spielen, dies ist die Grundsituation von der Eltern erst einmal ausgehen müssen.

Helfen Sie Ihrem Kind beim Anziehen so viel wie möglich. Auch wenn das Kind es bereits allein leisten kann, heißt das nicht, dass es dies jederzeit ausführen muss. Je mehr Sie Ihr Kind unterstützen, umso stressfreier verlassen Sie das Haus.

Klare Ansagen mit kleinen Zielen unterstützen in dieser Situation: „Ich möchte, dass du jetzt deine Unterhose anziehst. Jetzt kommen die Strümpfe dran. Jetzt die Hose. Super, das hätten wir schon geschafft.“

Mit Kindern müssen sie kleine Schritte gehen. Das Wort „Kleider anziehen“ ist zu umfassend. Benennen Sie all die kleinen Schritte, wie z.B. Strümpfe anziehen, damit das Kind sich immer auf eine Sache konzentrieren kann.

Hier noch ein paar Tipps, damit das Gesagte besser ankommt:

  • Wenden Sie sich Ihrem Kind immer zu.
  • Nehmen Sie durch Anschauen Kontakt zu Ihrem Kind auf. Auch ein leichtes Streicheln über den Arm oder den Rücken unterstützt die Kontaktaufnahme.
  • Wählen sie eine klare, eindeutige Sprache.
  • Nur 7% ist Ihr Wort von Bedeutung. Die restlichen Prozente sind gefüllt mit Körperhaltung, Mimik, Gestik, Stimmlage, Lautstärke, Klang der Stimme. Bleiben Sie authentisch mit dem was sie sagen und ihrer Körperhaltung.
  • Sprechen Sie in Ich-Botschaften.
  • Sollte Ihr Kind in sein Spiel vertieft sein, so hat es ein Recht darauf zu erfahren, wann die Spielzeit beendet werden muss. Bsp.: „Ich sehe du spielst so toll. Ich rufe dich in fünf Minuten zum Abendessen, das heißt, du musst dein Spiel langsam zu Ende führen.“

Zum Schluss möchte ich auf ein paar Fragen hinweisen, die ich bereits aus meiner Kindheit kenne und die anscheinend immer noch von Eltern gerne ausgesprochen werden.

  • Muss ich dir es noch mal sagen?
  • Muss ich erst böse werden?
  • Willst du mich ärgern?
  • Muss ich erst laut werden, damit du hörst?
  • Hab ich es dir nicht schon hundertmal gesagt?

Sparen Sie sich diese Fragen und geben Sie Ihrem Kind klare Ansagen, dann klappt das auch mit dem Hören.

Viel Erfolg!